Mobilität braucht Sicherheit
 
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Diebstahlschutz für Pkw und Lkw ist ein wichtiges Forschungsprojekt des Allianz Zentrums für Technik in den letzten Jahren. Speziell das Anforderungsprofil der Wegfahrsperre, die in der heutigen Automobiltechnik einen festen Platz gefunden hat, ist auf intensive Forschungsarbeiten des AZT zurückzuführen.
Seit Öffnung der Grenzen Richtung Osten kam es zu einem drastischen Anstieg der Pkw-Diebstähle in Deutschland mit Steigerungsraten von 50% pro Jahr in 1991 und 1992. Es ist für einschlägige Kreise nicht neu, dass sich viele Fahrzeuge auf unseren Straßen mit primitiven Hilfsmitteln wie Kabel, Draht, Schraubenzieher und Zange unbefugt öffnen und auch in Betrieb nehmen lassen.Viele Türschlösser heutiger Fertigung setzen - mangels entsprechender gesetzlicher Vorschriften - einem Einbrecher keinen nennenswerten Widerstand entgegen. Beim Überdrehen des Schließzylinders betätigt der Täter naturgemäß gleichzeitig die damit verbundenen elektrischen Kontakte, wodurch viele werkseitige Alarmanlagen, die über den Türschließzylinder betätigt werden, genau so abgeschaltet werden wie mit dem Originalschlüssel.
Funktionsweise eines elektronischen Zündschlüssels
Illustratives Bild
Häufig werden zusätzliche Sicherungseinrichtungen, die im Auto eingebaut sind oder mitgeführt werden, aus Nachlässigkeit oder Bequemlichkeit nicht eingeschaltet bzw. angebracht. Genau diese Schwachstellen werden durch die seit 1994/95 in praktisch alle neuen Modelle ab Werk eingebauten elektronischen Wegfahrsperren kompensiert, und hierin liegt der wesentliche Grund für ihren Erfolg.
Das vom Allianz Zentrum für Technik definierte Anforderungsprofil für elektronische Wegfahrsperren (Wfs) fordert eine Sicherung, die den unbefugten Betrieb des Fahrzeugs durch Eingriff in mindestens eine betriebsrelevante Steuereinheit (z.B. das Motormanagement) verhindert und den Betrieb erst nach Empfang des korrekten elektronisch codierten Signals freigibt.
Die Überwindung von mechanischen Schlössern - Grundwissen eines jeden Autodiebs - hat keinerlei Einfluss auf diese elektronische Blockierung. Auch mit Kurzschließen bzw. Durchtrennen von elektrischen Leitungen oder der Zerstörung von Komponenten ist das Fahrzeug nicht in Betrieb zu nehmen.
Damit die Wirkung nicht durch den "Schwachpunkt Mensch" eingeschränkt wird, muss die Wegfahrsperre selbstschärfend sein, d.h. sie muss ohne einen zusätzlichen, von der normalen Handhabung des Fahrzeugs abweichenden Handgriff des Benutzers beim Verlassen des Fahrzeugs, spätestens beim Verriegeln wirksam werden. Dies ist eine wesentliche, unverzichtbare Forderung. Natürlich darf diese Selbstschärfungsfunktion auch nicht abschaltbar sein.
Die Betätigung der elektronischen Wfs erfolgt je nach Konzept des Fahrzeugherstellers unterschiedlich z.B. durch Tastatur, Fernsteuerung mit Wechselcode, separaten elektronischen Schlüssel oder einen elektronischen Chip (Transponder) im Fahrzeugschlüssel usw.
Während der Fahrer bei Transpondersystemen von der Wegfahrsperre im täglichen Fahrbetrieb überhaupt nichts bemerkt, erfordert die Eingabe eines Geheimcodes per Tastatur - eine in Frankreich beliebte Variante - eine zusätzliche Bedienung. Dieses System hat jedoch den Vorteil, dass selbst ein gestohlener Autoschlüssel es dem Dieb nicht ermöglicht, den Wagen in Betrieb zu nehmen. Die Verwendung von Originalschlüsseln ist denn auch eine im Steigen befindliche Entwendungsmethode, besonders durch Unterschlagung von Miet- oder Vorführwagen. Auch Taschendiebstähle und Einbrüche in Werkstätten und Autohäuser dienen der Schlüsselbeschaffung, während die Täter das hohe Risiko eines direkten Angriffs auf den Autobesitzer (Carjacking) eindeutig scheuen. Tendenzen in diese Richtung sind - zum Glück - in Deutschland nicht zu erkennen. Der gestiegenen Bedeutung des Schlüssels als "Fahrberechtigungssystem" schenken viele Autofahrer noch nicht die notwendige Aufmerksamkeit.
Seit 1995 gehen die Diebstähle kontinuierlich zurück, besonders stark bei neuen, mit elektronischen Wegfahrsperren ausgerüsteten Fahrzeugen. Die Diebe weichen vorwiegend auf Modelle der Jahre 93 und 94 ohne Wegfahrsperre aus. 95% der im letzten Jahr entwendeten Pkw waren nicht mit einer anerkannten Wfs ausgerüstet. Schon bei Fahrzeugen mit der als Übergangslösung anerkannten elektrisch (nicht elektronisch) wirkenden Wfs ist bereits eine Halbierung der Diebstahlhäufigkeit festzustellen. Viele Diebstahlversuche an Fahrzeugen mit elektronisch codierter Wfs scheiterten, die Fahrzeuge wurden nach vergeblichen Bemühungen der Diebe im Umkreis von wenigen hundert Metern aufgefunden.
Insgesamt reduzierte die elektronische Wfs die Diebstahlhäufigkeit auf ein Zehntel gegenüber Fahrzeugen ohne Wfs!. Hätten alle Fahrzeugbesitzer dem Autoschlüssel die notwendige sorgfältige Verwahrung zukommen lassen (nicht wenige Schlüssel befanden sich im Wagen!), läge diese Quote sogar bei 1/20. Denn bei 75% der Entwendungen, bei einigen Modellen sogar bis zu 100%, beschafften sich die Diebe einen Originalschlüssel und fuhren unbefugt davon.
 
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