Mobilität braucht Sicherheit
 
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Dieter Anselm und Christoph Lauterwasser im Gespräch
Herr Anselm, Sie haben als Assistent von Max Danner, dem ersten Geschäftsführer des Instituts für Kraftfahrzeugtechnik, begonnen. Welche Erfahrungen aus dieser Zeit haben Sie besonders geprägt?
Anselm: Zwei Dinge drängen sich mir sofort auf: zum einen die charismatische Persönlichkeit Max Danners, der nicht nur die Idee zur Gründung des Instituts hatte, sondern dem es mit seinem Kommunikationstalent gelang, die Themen Unfallursachen und Sicherheitsforschung in weiten Kreisen der Fachwelt und der Öffentlichkeit zu etablieren. Der andere Aspekt ist die von uns geleistete Pionierarbeit auf dem Gebiet der Reparaturforschung. Noch heute profitieren Autofahrer durch niedrige Prämien und die Versicherungswirtschaft durch geringe Reparaturkosten von unseren damaligen Forschungsergebnissen. Ich denke, wenn wir in den letzten 25 Jahren nichts gemacht hätten, wären die Reparaturkosten sehr stark gestiegen.
Sie haben 1993 selbst die Geschäftsleitung des AZT übernommen. Was sehen Sie rückblickend als die wichtigsten Herausforderungen und Erfolge Ihrer Arbeit?
Anselm: Das AZT war durch seine Arbeit bereits bekannt. Nun sollte es noch stärker zum Ansprechpartner in Fachkreisen innerhalb und außerhalb der Allianz ausgebaut werden. Dabei war auch wichtig, die Ergebnisse unserer Arbeit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt zu machen. Dies gelang mit der Ausdehnung der Schulung der Allianz Sachverständigen auf europäischer Ebene – parallel zur Internationalisierung der Allianz. Ebenfalls in den 1990er Jahren konnte das AZT mit seiner Forderung nach der elektronischen Wegfahrsperre die Entwicklung serienreifer Systeme erheblich beschleunigen. Die rasantgestiegenen Diebstahlzahlen gingen nach der Etablierung der Wegfahrsperre wieder zurück– ein messbarer Erfolg für die Allianz und das AZT. Das politische Engagement des AZT in Bonn und Brüssel mündete 1998 in einem EU-Gesetz, das Wegfahrsperren bei Neuwagen obligatorisch machte.
Sie wurden 2004 mit dem Goldenen Dieselring ausgezeichnet. Dieser Preis wird jährlich vom Verband der Motorjournalisten (VdM) an Persönlichkeiten verliehen, die mit ihrer Arbeit inbesonderer Weise zur Verkehrssicherheit und zur Minderung von Verkehrsunfallfolgen beitragen. Was bedeutet der Preis für Sie?
Es ist wichtig, dass das AZT und seine Arbeit in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Eine solche Auszeichnung dient diesem Ziel. Wir sind sehr stolz darauf, da wir uns von Anfang an vorgenommen hatten, an der Verbesserung der Sicherheitsstandards und dem Schutz der Insassen zu arbeiten.
Herr Lauterwasser, Sie haben viele Jahre im Bereich Industrietechnik gearbeitet. Könnten Sie bitte Ihre Arbeit dort kurz beschreiben?
Lauterwasser: Im Geschäftsbereich Industrielle Technik leitete ich eine Gruppe, die vor allem innerhalb der Allianz - aber auch für Kunden -Beratung im Bereich Risikomanagement und Neue Technologien anbietet. Im Jahre 2001 hat uns Herr Anselm damit beauftragt, herauszufinden, welche Rolle das AZT in fünf bis zehn Jahren spielen würde. So lernten wir uns kennen. Knapp fünf Jahre später fragte mich schließlich Herr Anselm, ob ich mir vorstellen könne, sein Nachfolger zu werden.
Anselm: Herr Lauterwasser hat bei AZT/ IT eine neue Abteilung mit sieben Leuten aufgebaut und große Projekte akquiriert, neue Impulse gegeben und war dabei auch wirtschaftlich erfolgreich. Das hat mich sehr beeindruckt.
Und was hat Sie hier besonders beeindruckt, nachdem Sie nun ein Jahr im Bereich Kraftfahrzeugtechnik sind?
Lauterwasser: Das AZT ist ein Ort der Begegnung und des Dialogs. Es kommen Sachverständige zu uns, Vertreter von Verbänden, hier finden Forschungsgespräche statt, Hersteller und Zulieferer kommen zur Besprechung von Untersuchungen. Es gibt einen regen Austausch, täglich ist jemand da. Dies bildet eine optimale Basis, um die Strategie der Allianz in diesem Geschäftssegment wirksam zu unterstützen.
Es kommen aber doch nicht nur Autoexperten zu Ihnen?
Lauterwasser: Das stimmt. Wir haben hier oft Mitarbeiter von Allianz Gesellschaften aus aller Welt. Aber auch die Presse und die Medien sind häufig vor Ort und suchen den Kontakt. Das erklärt sich damit, das das AZT Versicherung am Objekt erlebbar macht. Hier gibt es was zum Anfassen. Versicherung wird so weniger abstrakt und positiv wahrnehmbar. Zudem sind wir kontinuierlich im Gespräch mit den Herstellern und bilden damit eine dauerhaft tragfähige Brücke zwischen dem Versicherer Allianz und der Automobilindustrie.
Anselm: Die Menschen sind dabei das wichtigste. Die Brücke bleibt nur stabil, wenn die Menschen miteinander harmonieren. Daher legen wir viel Wert darauf unsere Kontakte zu pflegen.
Hat ein Forschungsinstitut wie das AZT heute noch eine Bedeutung für die Allianz?
Anselm: Selbstverständlich! Das AZT Automotive ist integraler Teil der Allianz Strategie in der Kraftfahrtversicherung. Unser Beitrag zur Wertschöpfung liegt in der Senkung der Schadenkosten, in unserer Mitwirkung bei der Ermittlung risikogerechter Prämien, aber auch in innovativen Beiträgen zu neuen Produkten. Natürlich kommt unsere Forschung in Teilen auch anderen Versicherern zu gute, aber das kann man in seiner Wirkung nicht vergleichen.
Das AZT wird derzeit neu strukturiert, die beiden Institute werden verschiedenen Einheiten der Allianz zugeordnet. Was bedeutet das für Ihre Arbeit als künftiger Geschäftsführer der AZT Automotive GmbH?
Lauterwasser: Für unsere Arbeit ist die enge Anbindung an die Kraftfahrtversicherung der Allianz von zentraler Bedeutung. Die Kraftbranche ist die deutschlandweit bedeutendste Versicherungssparte. Wir unterstützen mit unseren langjährigen guten Kontakten die Allianz in ihrer Rolle als Partner der Automobilindustrie.
Was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre? Und wie will sich das AZT in den nächsten Jahren positionieren?
Lauterwasser: Wir sind das weltweite Center of Competence für die Allianz Gruppe im Bereich Automobiltechnik und arbeiten gleichzeitig eng mit und für verschiedene Partner aus der Automobilbranche. Da sehr viele Innovationen aus dieser Branche kommen, die auch direkt die Kraftfahrtversicherung betreffen, heißt es: ständig am Ball bleiben und dabei vorausdenken, was kommt. Unsere Mission bleibt, die Themen und Inhalte der Arbeit werden immer wieder neu sein. Ich sehe eine Stärkung der internationalen Aktivitäten, einmal bezogen auf die Allianz und zum anderen in der Zusammenarbeit mit Partnern. Wir möchten die Forschung für die Allianz auch auf internationaler Ebene verstärken und die Ergebnisse innerhalb des Unternehmens vermitteln. Ziel ist es Impulse für die Umsetzung der Ergebnisse in die Praxis zu geben. Das geschieht derzeit zum einen über die AZT Automotive Community, eine weltweit nutzbare Plattform im Intranet, das internationale Trainingsangebot für die Sachverständigenschulung und das AZT Summit. Zum anderen arbeitet das AZT in Verbänden und Fachgremien, wie dem RCAR und in EU-Projekten zuzukunftsweisenden Themen. Dazu gehören beispielsweise Studien zur Wirksamkeit neuer Fahrerassistenzsysteme, der Kommunikation der Fahrzeuge mit der Umgebung wie z.B. e-call. Aber auch Themen wie neue Lacktechnologien haben wir auf dem Radar.
Wo sehen Sie weitere Entwicklungstendenzen, auf die die Allianz und das AZT reagieren müssen?
Lauterwasser: Aufgrund des aktuellen Themas CO2 Reduktion wird dem Gewicht der Fahrzeuge verstärkte Aufmerksamkeit zukommen. In den letzten Jahren haben die stärkeren Motoren, aber auch das Komfortbedürfnis der Autokäufer dazu geführt, dass die Autos immer schwerer wurden. Ich glaube, dieser Trend zu mehr Gewicht wird sich umkehren.
Und was bedeutet das für das AZT?
Lauterwasser: Die Gewichtsreduktion wird voraussichtlich durch Einsatz neuer, leichterer Werkstoffe und Konstruktionen zurückgehen. Wir stehen dann vor der Herausforderung günstige und sichere Reparaturmöglichkeiten zu finden und zu bewerten und dieses Wissen über unser Schulungssystem sowie andere Kanäle schnellstmöglich zu verbreiten.
Die Allianz Versicherungs-AG vergibt als einziger deutscher Versicherer einen Sicherheitspreis, den Genius. Mit dieser Ehrung wird eine technische Entwicklung ausgezeichnet, die bereits in der Praxis umgesetzt ist und dazu beiträgt, denStraßenverkehr sicherer zu gestalten und dieSchadenhäufigkeit und Unfallschwere zu reduzieren. Warum hat die Allianz diesen Preis gestiftet?
Anselm: Wir wollen die Leistungen der Automobilwirtschaft auf dem Gebiet der Sicherheit anerkennen und die Verbreitung dieser Technologien fördern. Die Allianz möchte damit ihre Verbundenheit mit der Industrie demonstrieren. Dies gelingt, wenn der Preis über viele Jahre zu einer Institution wird. Das ist unser Ziel.
(Barbara Eggenkämper)
 
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