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Fahrbericht Ford Maverick 2.0 Highclass
John Boy in Europa
Die Geländewagenwelle ist aus dem wilden Westen in die alte Welt geschwappt. Doch die Zeiten ändern sich: Statt barock, groß und durstig präsentiert sich der Ford Maverick schnörkellos und in den Abmessungen an europäische Platzverhältnisse angepasst. Ein Test mit dem Maverick 2.0 Highclass. Preis: ab 26.970 Euro.
Für alle Fälle
Oben smart und unten bodenständig: Weit ausgestellte Kotflügel mit Kunststoffverbreiterungen, ein massiv wirkender Frontstoßfänger und eine seitliche Blechfalte, die den Schwung der Radläufe über die ganze Fahrzeugflanke fortführt, vermitteln Kraft und Robustheit. Fahrgastzelle und Motorhaube dagegen werden von glatten Karosserieflächen geprägt, die für eine elegante Note sorgen. Und so zieren den Maverick Matsch und Staub auf dem Metalliclack genauso wie der fahle Schein der Straßenlaternen vor der Oper einer Großstadt.
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Keine Extremtouren
Wer hauptsächlich im Gelände unterwegs ist, wird sich einen anderen Partner suchen. Für Extremtouren fehlt dem Amerikaner nämlich eine Geländeuntersetzung und zuschaltbare Differenzialsperren. Auf matschigem Untergrund macht der Maverick mit seinem variablen Allradantrieb dagegen eine gute Figur. Drehen die normalerweise angetriebenen Vorderräder durch, schalten sich in Sekundenbruchteilen die Hinterräder elektronisch zu. Das ergibt Vortrieb, zumindest wenn das Reifenprofil mitspielt. Und das ist eher auf Asphalt ausgelegt, was in der Realität dem Alltag des Maverick entsprechen dürfte.
Ruhige Gangart bevorzugt
124 PS (91 kW) können keine Bäume ausreißen, zumal das maximale Drehmoment (175 Nm) erst bei 4.500 Umdrehungen bereitgestellt wird. Ein kräftiger Turbodiesel könnte im Gelände helfen, ist jedoch nicht im Angebot. Als Alternative zum 2,0-Liter-Benziner gibt es einen 3,0-Liter-V6 mit 197 PS (145 kW). Angesichts der quälenden Benzinpreisentwicklung spielt der V6 in Europa keine große Rolle - im Gegensatz zu den USA. Doch auch das Basistriebwerk entfernt sich bei hoher Geschwindigkeit rasch vom Normverbrauch von 9,8 Litern. Unser Maximalverbrauch lag bei 13,8 Liter - ermittelt auf einer Berlin-Frankfurt-Etappe im Expresstempo und einem Reiseschnitt von 140 km/h.
Den Sportsgeist geweckt
Typisch Ford: Eine im Vergleich zum Wettbewerb superexakte Lenkung, die den 4,41 Meter langen Geländekombi leichtfüßig durch den Großstadtdschungel wieseln lässt. Gute Übersicht garantieren die hohe Sitzposition und die kantige Karosserie. In schnellen Autobahnkurven kommt durch die direkte Auslegung allerdings etwas Unruhe auf: Der 1,82 Meter hohe Geländekombi "rollt" leicht über die Längsachse. Zudem regelt die Elektronik bei Tempo 180 konsequent ab, auch wenn der Maverick bergab noch deutliche Reserven hätte. Das nervt und ist höchstens mit dem Reifenfiasko (mehrere Unfälle in den USA mit Todesfolge) beim größeren Explorer zu erklären. Die offiziellen Fahrleistungen des Maverick 2.0: von null auf 100 km/h in 12 Sekunden und 166 km/h Höchstgeschwindigkeit.
Entspannt ankommen
Wer es langsamer angehen lässt, spart nicht nur Sprit, sondern schont auch sein Gehör. Bis 130 km/h rollt der Maverick mustergültig leise, bevor das immer rauer werdende Triebwerk die Musik macht. Federung und Sitzkomfort - bei der Highclass-Ausstattung beheizbare und elektrisch einstellbare Lederpolster - sorgen auch auf langen Stecken für ermüdungsfreies Fahren. Der serienmäßige Tempomat nimmt Tempolimits ihren Schrecken. Zur umfangreichen Serienausstattung gehören auch elektrische Fensterheber rundum, ein großes Glasschiebedach, Klimaanlage und Leichtmetallfelgen. Umso größer die Überraschung beim ersten Tankstopp: Der Verschlussdeckel muss mit einem hakeligen Schlüssel separat aufgeschlossen werden - eine in dieser Preisklasse unpassende Schrulligkeit, die dank 62 Liter Tankvolumen glücklicherweise nicht allzu oft nervt.
Immer rein damit
Zugegeben: Im Alltag sind andere Qualitäten wichtiger, Laderaum zum Beispiel. Hiervon hat der Maverick als Fünfsitzer bis zur Dachkante reichlich zu bieten. 870 Liter reichen auch für sperriges Gepäck. Leider bleibt bei geschlossenem Abdeckrollo nur ein flacher Stauraum übrig. Durch eine ungeschickte Positionierung der Laderaumabdeckung wird wertvoller Platz verschenkt. Ein Fehler, an dem auch das weitgehend baugleiche Schwestermodell Mazda Tribute krankt. Werden die Rückenlehnen umgeklappt und die Sitzflächen entnommen, entpuppt sich der Maverick mit 1.870 Liter Stauraum als echter Lademeister.
Fazit: Der Kleine aus Amerika kommt in Europa gut zurecht. Bei angemessener Fortbewegung entpuppt sich der Maverick 2.0 als angenehmer Reisebegleiter, der auch bei Ausflügen in leichtes Gelände nicht schlapp macht.
(10/02) mototype, Holger Schilp
| Allianz Autowelt Datenblatt |
Fahrzeug | Ford Maverick 2.0 Highclass |
Motor | 1.989 ccm, 4 Zylinder, Reihe |
Leistung | 91 kW (124 PS) |
Drehmoment | 175 Nm bei 4.500 U/min |
Fahrleistungen | 166 km/h, 0-100 km/h in 12 s |
Verbrauch | 9,8 Liter Super/100 km |
Schadstoffnorm | D4 |
Gewicht/Zuladung | 1.515 kg leer, 455 kg Zuladung |
Abmessungen | 4.415 x 1.825 x 1.770 (LxBxH) |
Kofferraum | 490 Liter (max. 1.830 Liter) |
Basispreis | 26.970 Euro |
Stand 10/2002
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