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Erhebliche Risiken beim Abschleppen von Pkw
Zahlreiche Forschungen und Testreihen im Allianz Zentrum für Technik (AZT) haben sich mit einem oft unterschätzten Risikofaktor im Straßenverkehr beschäftigt - dem Abschleppen: Wenn überhaupt, dann nur mit maximal 30 km/h.
Allianz Versicherungs-AG, München
Die Auswertungen dieser Untersuchungen fasst das AZT in drei konkreten Forderungen zusammen, die die Sicherheit bei Abschleppvorgängen auf deutschen Straßen erhöhen wurden: Es dürfen maximal 30 km/h gefahren werden, das Abschleppseil sollte mindestens 4 bis 4,5 Meter lang sein, und wenn eine Abschleppstange verwendet wird, darf sie nicht diagonal zwischen den Fahrzeugen befestigt werden.
Abschleppvorgang mit Folgen
Wer sich hinter das Steuer eines Kraftfahrzeuges setzt, wird sich kaum als erstes Gedanken über Abschlepptechniken oder -systeme machen. Schließlich hat man ein Ziel vor Augen, möchte dort ankommen und nicht während der Fahrt liegen bleiben. Außerdem machen moderne Autos von heute immer seltener unterwegs "schlapp". Die Möglichkeit, dass ein Abschleppen des Pkws notwendig sein könnte, wird deshalb gar nicht in Betracht gezogen. Kommt es dann doch zu einer unvorhergesehenen Panne, sind die Insassen dementsprechend unvorbereitet und ahnungslos. Untersuchungen im AZT belegen, dass diese Unwissenheit während des Abschleppvorgangs nicht nur zu Schäden am Fahrzeug führen kann, sondern auch zu Unfällen.
Probleme des Abschleppens
Das erste Problem stellt bereits das Auffinden der Abschleppöse dar: Ist sie nicht auf den ersten Blick sichtbar, versteckt sie sich meist hinter Stoßfängern oder muss noch montiert werden. Ein Blick in die Betriebsanleitung hilft, die Suche zu vereinfachen, Montagefehler zu vermeiden und wichtige Tipps zum Abschleppen von Allradlern oder Automatik-Fahrzeugen zu finden. Ist die Öse in der Verkleidung des Pkws versenkt, gilt es, das richtige Abschleppmittel auszuwählen: Hat es zu viel Bewegungsspielraum, kann ansonsten die Karosserie beschädigt werden.
Die zweite im AZT durchgeführte Testreihe galt der Belastbarkeit von Abschleppseilen oder -stangen. Dabei waren die Ergebnisse durchweg Positiv: Solange das Gewicht des abgeschleppten Fahrzeugs die Nennlast des Seils oder der Stange nicht überschritt, wies kein Produkt Festigkeitsprobleme auf. Probleme gab's erst im Zusammenhang mit leichtsinnigem oder falschem Fahrverhalten beim Abschleppen.
Abschleppseil:
Fährt der Vordermann zu ruckartig an, oder der Abgeschleppte hält das Seil nicht durch geschickte Bremsmanöver ständig stramm gespannt, so dass das Seil ruckartigen Belastungen ausgesetzt ist, kann es reißen. Elastische Seile dämpfen diese Rucke zwar, bergen aber auch höhere Gefahren, wenn sie reißen: Durch das Zusammenziehen nach der extremen Spannung kommt es zu einem Peitscheneffekt, der Passanten verletzen oder Sachschaden anrichten kann. Hanfseile erzielten in dieser Disziplin gute Ergebnisse, sie hängen jedoch schnell durch und bergen dadurch die Gefahr, auf der Fahrbahn zu schleifen oder gar unter die Räder zu kommen. In der Praxis sind Rollgurte ein besserer Kompromiss. Die selbständige Verkürzung des Seils verhindert, dass es überrollt wird und Schäden an der Abschleppöse oder der Vorderradaufhängung entstehen.
Ein weiteres Risiko bedeuten zu kurze Seile: Je nach Länge des Abschleppseils, Position des Hakens und Art der Anbringung - z.B. bei diagonaler Befestigung -, kann der Sicherheitsabstand unter drei Meter sinken. Berechnungen des Allianz Zentrums für Technik zufolge ist der Fahrer des abgeschleppten Wagens bei einer Notbremsung des Vordermanns dann nicht mehr in der Lage, eine Kollision zu vermeiden. Dazu führen viele Faktoren: Der Bremskraftverstärker, der schon bei modernen Kompaktfahrzeugen die Bremswirkung um ein Fünffaches erhöht, fällt aus, wenn der Motor nicht läuft. Außerdem beträgt die durchschnittliche Reaktionszeit des Fahrers 0,4 Sekunden, wie Messungen an 122.000 Testpersonen im Rahmen des Einsatzes des Allianz ServiceMobils ergaben. Daraus folgt, dass bei einer Seillänge von 3,5 Metern schon mit 25 km/h ein Auffahrunfall nicht mehr zu vermeiden ist, wenn das Zugfahrzeug eine Notbremsung durchführt. Eine Seillänge von 4,5 Metern erhöht diese Grenzgeschwindigkeit auf 30 km/h.
Abschleppstange:
Bei den Abschleppstangen eignen sich am besten diejenigen, die einstellbare Haken besitzen. Sie lassen kein Spiel zwischen Stange und Öse. Durch dieses starre Abschleppsystem wirkt dann, anders als beim Seil, die Bremse des ziehenden Fahrzeugs auch auf das gezogene. Dabei muss allerdings der hintere Wagen immer leichter als der vordere sein und die Stange immer gerade dazwischen ausgerichtet werden, wie die Experten im AZT bewiesen. Ansonsten besteht nicht nur die Gefahr, dass das abgeschleppte Fahrzeug den Vordermann wegschiebt. Ist die Stange diagonal angebracht, drückt die Vorwärtsbewegung des nachfolgenden Pkws das entlastete Heck des Zugfahrzeugs seitlich weg. Ein Crash ist dann unvermeidlich.