Mobilität braucht Sicherheit
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Der Einsatz von Elektronikkomponenten in Kraftfahrzeugen hat in den letzten 20 Jahren, entsprechend der Entwicklung auf dem Elektroniksektor, rasant zugenommen. Heutige Pkw verfügen ausnahmslos über ein elektronisches Motormanagement incl. elektronischer Abgasregelung. Eine Vielzahl von elektronischen Systemen wird zur Erhöhung der Sicherheit und des Fahrkomforts eingesetzt. Hinweise zum Vorgehen bei der Instandsetzung.
Allianz Zentrum für Technik GmbH, Ismaning
Elektronische Steuerungen in Kraftfahrzeugen sind trotz der vielfältigen Wirkungsweise nach einem Grundschema aufgebaut . Sensoren, Steuergeräte und Stellglieder - Hauptbauteile einer jeden elektronischen Steuerung - sind mit elektrischen Leitungen zur Datenübertragung und Spannungsversorgung miteinander verbunden. Es besteht die Möglichkeit, dass diese Bauteile durch einen Verkehrsunfall oder aber auch andere Schadenereignisse wie z.B. Brand oder Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen werden.
Das Herausnehmen von teuren Elektronikteilen oder der Batterie aus den am häufigsten betroffenen Stoßzonen, der vorderen Quertraverse und vorderen Endspitze des Radhauses und der besseren, d.h. kostengünstigeren Platzierung dieser Teile zwischen Federbeindom und Stirnwand, sind auch heute noch berechtigte Forderungen des AZT an die Automobilhersteller.
Bei einem beschädigten Fahrzeug sind bei der Schadenfeststellung und der darauf folgenden Festlegung des richtigen Reparaturwegs die nachfolgenden Punkte abzuklären:
1. Sind Systeme komplett ausgefallen, gibt es Fehlfunktionen, oder sind optisch erkennbare Beschädigungen vorhanden?
Die Mehrzahl der elektronischen Steuerungen ist heute selbstüberwachend. Auftretende Fehler werden erkannt und gespeichert. Bei sicherheitsrelevanten Systemen wie z.B. ABS oder Airbag werden vorhandene Fehler durch Warnleuchten oder Displays im Fahrzeug angezeigt. Fehler in nicht sicherheitsrelevanten Steuerungen z.B.: Klimatronic werden jedoch nicht angezeigt, sondern nur im Steuergerät gespeichert. Diese Fehler lassen sich nur nach Anschluss an einen geeigneten Diagnosetester und Durchführung einer Fehlerspeicherabfrage auslesen. Sichtbare Beschädigungen sind festzuhalten.
2. Welche Komponenten verursachen Fehler?
Die exakte Lokalisierung eines fehlerhaften Bauteils kann nur von einer geschulten Fachkraft mit einem geeigneten Diagnosetester in Verbindung mit einer gut dokumentierten Prüfanleitung erfolgen. Moderne Testgeräte können nicht nur elektronische Funktionen überprüfen, sondern auch Betriebszustände simulieren.
Noch vor Jahren war es in Werkstätten üblich, nacheinander die Einzelbauteile der Anlage solange zu ersetzen, bis das Gesamtsystem wieder funktionierte. Diese Art der Fehlersuche, die kleinere Werkstätten noch heute praktizieren, ist zum einen für den Kunden sehr teuer (hoher Arbeitszeitaufwand; viele zu Testzwecken ausgetauschte, voll funktionsfähige Bauteile werden nicht mehr zurückgetauscht) und zum anderen bei immer komplexer werdenden Anlagen mit nur zeitweilig auftretenden Fehlfunktionen nicht mehr durchführbar.
Durch die Vernetzung des gesamten Bordsystems können beschädigte Komponenten Fehler in unterschiedlichen Einzelsystemen hervorrufen.
3. Inwieweit können diese Mängel dem Schadenereignis zugeordnet werden?
Während Beschädigungen an den Kabel- und Steckverbindungen relativ einfach einem Schadenereignis zuzuordnen sind, ist dies bei Fehlfunktionen von Sensoren, Steuergeräten und Stellgliedern wesentlich schwieriger. Bis zur Mitte der 80er Jahre gab es von den Automobilherstellern keine Anweisungen an die Werkstätten, wann elektronische Komponenten nach einem Unfallschaden auszuwechseln waren und wann nicht. Die Folge dieser unklaren Lage war, daß viele kostenträchtige Elektronikmodule vorsorglich ersetzt wurden. In etwa nach dem Motto:
"Bei diesem großen Schaden muss doch auch die Elektronik etwas abbekommen haben".
Hierbei wird eindeutig von einer falschen Einschätzung der bei einem typischen Unfall auftretenden Beschleunigungen und Kräfte ausgegangen. Denn die Pkw-Hersteller setzen in ihren Bauteil-Spezifikationen das Bestehen eines so genannten Shocktests voraus. Die Belastungen bei diesem Shocktest sind etwa doppelt so hoch wie bei einem mittelschweren Unfall.
Um einen Ausweg aus dieser nicht akzeptablen Situation zu finden, hat das AZT bereits 1987 mit allen deutschen Automobilherstellern einen Leitfaden für die Behandlung von Elektronikteilen nach Unfällen entwickelt, der auch heute noch gültig ist:
Schäden an Elektronikteilen - Austausch bei mindestens einer Bedingung:
  • Gehäuse ist verformt oder beschädigt
  • Auflagefläche bzw. Konsole verformt (Elektronisches Gerät in Ordnung)
  • Steckverbindung des Moduls ist beschädigt oder korrodiert
  • Funktionstest oder Eigendiagnose zeigen Fehler des Gerätes an
4. Durch welche Instandsetzungsmaßnahmen kann eine einwandfreie Funktion wieder hergestellt werden?
Die meisten unfallbedingten Ausfälle oder Fehlfunktionen von elektronischen Steuerungen sind auf Beschädigungen an den Kabeln oder Steckverbindungen zurückzuführen. Hier ist im Regelfall eine Reparatur möglich. Viele Automobilhersteller haben Reparaturen an der Fahrzeugverkabelung sowie an den Steckverbindungen freigegeben und bieten hierzu professionelles Werkzeug sowie entsprechende Ersatzteile an.
Den typbezogenen Reparaturanleitungen ist hierbei natürlich absolut Folge zu leisten. Defekte Sensoren, Steuergeräte und Stellglieder müssen ersetzt werden. Eine wirtschaftliche und technisch einwandfreie Instandsetzung dieser Teile ist derzeit und wahrscheinlich auch zukünftig nicht möglich. Einige Automobilhersteller bieten Steuergeräte zu reduzierten Austauschpreisen an.
5. Welche Maßnahmen sind zu treffen, damit bei der Unfallinstandsetzung keine Systeme beschädigt werden?
Damit durch die Unfallinstandsetzung keine elektronischen Systeme beschädigt werden, ist den Reparaturanleitungen der Automobilhersteller dringend Folge zu leisten. Im Regelfall ist folgendes zu beachten:
  • Die Klemme vom Minuspol der Kraftfahrzeugbatterien abnehmen, isoliert ablegen sowie Minuspol der Kraftfahrzeugbatterien abdecken
  • An Fahrzeugen mit Airbag bzw. pyrotechnischen Gurtstraffern Zusatzmaßnahmen lt. Fahrzeughersteller ergreifen. Beispielsweise schreiben manche Hersteller vor, den Steuergerätestecker abzuziehen oder nach Abklemmen der Batterie eine Wartezeit einzuhalten
  • Masseanschluss des elektrischen Schweißgerätes unmittelbar an der Schweißstelle anbringen; isolierende Materialien vorher entfernen
  • Elektronische Steuergeräte und elektrische Leitungen nicht mit dem Masseanschluß des Schweißgerätes oder der Schweißelektrode berühren - vor Hitzeeinwirkung schützen (gegebenenfalls ausbauen)
Zusätzliche Anmerkung
Eine umfassende Beantwortung dieser Fragen sollte sowohl vom Kfz-Sachverständigen als auch von der Reparaturwerkstatt vor Beginn von Reparaturarbeiten angestrebt werden.
In Fällen in denen das betroffene Fahrzeug z.B. nicht fahrbereit ist, lässt sich dies nicht realisieren, so dass verschiedene Punkte erst im Verlauf der Reparatur geklärt werden können.
Bei Einhaltung dieser Vorgehensweise zur Kalkulation und Instandsetzung von Fahrzeugschäden bezüglich der elektronischen Steuerungen wird eine technisch einwandfreie und wirtschaftliche Reparatur sichergestellt.
 
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Kontakt für Presse
Christian Weishuber
Allianz Versicherungs-AG
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