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"HANS" soll Formel 1-Piloten in Zukunft besser schützen
Ein Rückhaltesystem zum Schutz des Kopfes und des Nackens (Head and Neck Support), kurz "HANS" genannt, soll in der Formel 1-Saison 2003 die Rennfahrer schützen. Kopfstützen schützten dagegen Autofahrer normaler Pkw vor einem Schleudertrauma.
Allianz Group, München
Voraussichtlich 2003 soll "HANS" erstmals von Formel-1-Fahrern verwendet werden. Im Training zum Großen Preis von Italien 2002 wurde das Kopf- und Nackenunterstützungs-System von einigen Teams bereits getestet.
Es besteht aus einem mit dem Oberkörper fest verbundenen Kohlefaser-Kragen, an dem der Helm mit Bändern fixiert ist. "HANS" soll verhindern, dass bei einem Unfall der Kopf des Fahrers nach vorn geschleudert wird, was zu einer Überstreckung der Wirbelsäule im Nackenbereich führen kann.
Kopf wird über eine halbe Tonne schwer
Im Falle eines Aufpralls kann kurzfristig eine bis zu 80fache Erdbeschleunigung auf den Fahrer einwirken. An Halswirbel und Nackenmuskeln wird dabei mit einer Kraft gezerrt, als ob sich das Gewicht von Kopf und Helm kurzzeitig von ungefähr sieben auf bis zu 560 Kilogramm erhöhen würde.
Diese Belastung, die bislang der Nacken des Piloten verkraften musste, wird von "HANS" teilweise absorbiert. Der schützende Kragen verhindert auch, dass der Kopf am Lenkrad oder am vorderen Cockpitrand aufschlägt.
HANS im Detail
Von der Universität Michigan bis zur Formel 1
Entworfen wurde das System an der Universität von Michigan. Mercedes-Benz entwickelte den Kopf- und Nackenschutz dann weiter. In der Praxis bewährte sich "HANS" zunächst in den US-amerikanischen NASCAR- und ChampCar-Rennserien.
Als nächstes wurde es von den Piloten der Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) getestet. In der DTM war es bereits in dieser Saison Pflicht und wurde von den Fahrern voll akzeptiert. So lobte der DTM-Fahrer Manuel Reuter das Sicherheits-System als "exzellente Erfindung, die sich bereits mehrfach bewährt hat".
Die Formel 1-Akteure hatten 2002 bereits Gelegenheit, sich mit HANS vertraut zu machen. BMW Williams-Pilot Ralf Schumacher lobte das System: "Prinzipiell halte ich alle Systeme und Vorkehrungen für sinnvoll, die die Sicherheit der Fahrer verbessern. So auch 'HANS', und ich hoffe, dass die Fahrer, die jetzt noch Probleme mit dem System haben, diese relativ schnell in den Griff bekommen."
Wie so oft steckt auch bei HANS der Teufel im Detail: einige Fahrer klagen noch über Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und zum Teil sogar über Schmerzen. "Entscheidend für den Erfolg von HANS wird eine individuelle Anpassung an Fahrer und jeweiliges Cockpit sein, die Teams müssen sich bezüglich der Modifikationen mit der FIA einigen", so Christoph Lauterwasser, Risikoexperte am Allianz Zentrum für Technik (AZT) in München.
Sicherheit im Straßenverkehr durch Kopfstütze
Auch im Straßenverkehr gibt es Möglichkeiten, den Kopf- und Nackenbereich besser zu schützen. Aber viele Autofahrer haben ihre "Nackenstütze" viel zu tief eingestellt und damit wirkungslos gemacht. Die Kopfstütze als ein wichtiges Hilfsmittel für mehr Sicherheit im Straßenverkehr gerät leider oft in Vergessenheit. Vor allem wenn der Fahrer wechselt, ist die Gefahr groß, dass sie nicht auf die richtige Höhe positioniert wird. geben
Ein weiteres Problem nennt Unfallforscher Hartmuth Wolff vom AZT: "Autohändler stellen die Kopfstützen oft auf die niedrigste Stufe, um den Innenraum des Fahrzeugs größer erscheinen zu lassen. Und, so traurig das ist, dort bleiben sie dann auch."
Nur eine ausreichend hohe und nicht zu weit vom Kopf entfernte Kopfstütze kann bei einem Unfall den Fahrer vor einem Schleudertrauma bewahren. Sie sollte, rät der AZT-Experte, so eingestellt sein, dass die Kopfstützenoberkante mit der Kopfoberkante auf einer Ebene liegt. Wolff: "Dann wird ein maximaler Schutzeffekt erzielt."
Mit der Sicherheit im Nacken fahre es sich eben besser - egal ob im Grand-Prix-Sport oder auf dem alltäglichen Straßenverkehr, so der AZT-Verkehrssicherheits-Experte.