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Kopfstützen mehr Beachtung schenken
Gesundheitliche Folgen von Auffahrunfällen könnten vermieden werden. Über zwei Drittel der Autofahrer haben keine richtig eingestellte Kopfstütze-, jede fünfte Kopfstütze könnte, selbst wenn man wollte, gar nicht richtig eingestellt werden. Das ergab eine Untersuchung des Allianz Zentrums für Technik.
Allianz Versicherungs-AG, München
Automobilhersteller entwickeln modernste Sicherheitskomponenten wie Antiblockiersystem, Airbag und Flankenschutz - der relativ einfache Schutz der Insassen beim Heckaufprall durch optimal einstellbare und gepolsterte Kopfstützen wird jedoch nicht ausreichend verwirklicht. Unzureichende Einstellhinweise in den Bedienungsanleitungen und die Tatsache, dass beinahe jeder zweite Autofahrer aus Unwissenheit oder Desinteresse der Höhe seiner Kopfstütze keine Beachtung schenkt, tragen ebenfalls zu einer unnötigen Gefährdung der Pkw-Insassen bei Auffahrunfällen bei. Zu diesem Schluss kommt Dr.-Ing. Christian Deutscher vorn Allianz-Zentrum für Technik (AZT) in seiner Dissertation, deren Ergebnisse AZT-Geschäftsführer Dr. Dieter Anselm in München vorstellte
Besonderheiten des Heckaufpralls
Im Allianz Zentrum für Technik in Ismaning bei München hatte Christian Deutscher durch Pkw- und Schlittenversuche mit freiwilligen Versuchspersonen die Besonderheiten des Heckaufpralls vor allem hinsichtlich der unfalldynamischen und anatomischen Einflüsse auf den Bewegungsablauf realitätsnah analysiert Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass für den Bewegungsablauf des Insassen des gestoßenen Kraftfahrzeugs die Höhe der Fahrzeugbeschleunigung sowie deren zeitlicher Ablauf nur eine von mehreren Einflussgrößen darstellt.
Eine entscheidende Rolle spielen auch Sitzposition und Körperabmessung des Insassen sowie Konstruktion, Einstellung und Deformationsverhalten von Rückenlehne und Kopfstütze. Bei den Versuchen mit Aufpralldifferenzgeschwindigkeiten bis 23 km/h und unterschiedlichen serienmäßigen Sitz -und Kopfstützenkonstruktionen habe sich, so betonte AZT-Geschäftsführer Dr. Dieter Anselm, gezeigt, dass im Bereich der Rückenlehnen und Kopfstützen noch ein erhebliches Verbesserungspotential besteht.
Folgen liegen im Halswirbelsäulenbereich
Am Heck getroffene Pkw sind zwar an den Unfällen mit Getöteten und Schwerverletzten nur weniger als fünf Prozent und bei Kollisionen mit mäßigen Verletzungen mit ca. 25 Prozent beteiligt, doch dominieren sie bei Unfällen mit nur leicht Verletzten (Anteil hier 54 Prozent) eindeutig. Dabei werden in 94 Prozent der Fälle Beeinträchtigungen im Bereich der Halswirbelsäule angegeben.
Die Dissertation von Dr. Christian Deutscher zeigt, dass bei Crashs im unteren und mittleren Geschwindigkeitsbereich die meisten dieser Folgen im Halswirbelsäulenbereich vermieden werden könnten, wenn der Sitz, insbesondere die Rückenlehne einschließlich Kopfstütze, optimiert wäre. Eine erhebliche Verbesserung für den Insassenschutz beim Pkw-Heckaufprall brächte eine in die Sitzlehne integrierte, ausreichend hohe und nicht verstellbare Kopfstütze.
Richtige Einstellung der Kopfstützen
Eine Reduzierung der Insassenbelastung sei ferner durch eine Anpassung der Federkennlinien und Dämpfungsraten von Rückenlehne und Kopfstütze sowie durch deren ausreichende Höhe realisierbar. Bei einem Großteil der vorhandenen Kopfstützen wurde bereits die richtige Einstellung - in der Höhe sollte die Kopfstützenoberkante am besten mit der Kopfoberkante abschließen - zu einer zufriedenstellenden bis guten Schutzwirkung führen.
Der Griff zur Kopfstütze sollte deshalb so selbstverständlich werden wie der zum Sicherheitsgurt, fordert Dr. Dieter Anselm. Wichtig ist nach seinen Worten außerdem eine optimale Rückenabstützung im Schulterbereich auch für große Personen und ein möglichst geringer horizontaler Abstand zwischen Hinterkopf und Kopfstütze in der normalen Sitzposition.