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Motorradfahrer erheblich gefährdet
Allianz Zentrum für Technik legt Konzept für bessere Schutzanzüge vor. Das Risiko, als Motorradfahrer bei einem Unfall getötet oder schwerverletzt zu werden, ist mehr als fünfmal so hoch wie als Insasse eines Pkw.
Allianz Versicherungs-AG, München
Das generelle Tragen von geeigneten Schutzhelmen und Stiefeln sowie vor allem von verbesserten Schutzanzügen könnte erheblich dazu beitragen, Verletzungen zu vermeiden bzw. deren Schwere zu reduzieren. Darauf wies Dr.-Ing. Dieter Anselm, Geschäftsführer des Allianz Zentrums für Technik (AZT), in München hin. In dem von ihm geleiteten Institut Kfz-Technik des AZT wurden Aufprallversuche, Unfälle, Scheuerversuche sowie Praxistests zu Tragekomfort und Alltagstauglichkeit von unterschiedlichen Materialien ausgewertet und in ein Gesamtkonzept für einen optimalen Schutzanzug für Motorradfahrer umgesetzt. Es berücksichtigte, wie Anselm betonte, nicht nur den Aspekt der Sicherheit, sondern auch die notwendige Bewegungsfreiheit des Motorradfahrers, einen guten optischen Eindruck sowie Herstellungskosten, die nicht höher zu liegen brauchten als bei qualitativ schon recht hochwertigen Protektorenanzügen, wie sie bereits auf dem Markt erhältlich seien und vom Verbraucher akzeptiert würden.
Schutzanzug und Rückenprotektoren
Die Untersuchungen im Allianz Zentrum für Technik kommen zu folgenden Erkenntnissen: Das Obermaterial des Schutzanzuges sollte aus 1,4 mm starkem Rindleder bestehen, da Kunstfasermaterial wegen der schlechteren Scheuerfestigkeit noch nicht in Betracht kommt. Sobald Textilfaseranzüge eine mit Leder vergleichbare Abriebfestigkeit haben, wären sie wegen des höheren Tragekomforts und des besseren Schutzes vor Regen und Kälte zu bevorzugen.
Ein Rückenprotektor sollte aus 1,5 mm starkem Polycarbonat mit 12 mm PUR-Schaum (Polyuhrethan) beschaffen und herausnehmbar sein, während fest integrierte, vorgeformte Schulter- und Ellbogenprotektoren aus 3 mm starker Polyethylen-Schicht und 12 mm PUR-Schaum eine sehr gute Stoßdämpfung bei ausreichender Druckverteilung ermöglichen. Sehr guten Schutz vor Kantenbrüchen gewährleistete ein Unterarmschutz aus 1,5 mm starker vorgeformter Polycarbonat-Schicht mit 10 mm PUR-Schaum. Ein aus optischen Gründen relativ dünner Beckenprotektor aus 10 mm starkem PUR-Schaum verbessere das Abriebverhalten bei guter Stoßdämpfung.
Herausnehmbare Protektoren im Kniebereich
Hervorragende Stoßabsorption, Ausreichende Druckverteilung, Schutz vor spitzen Hindernissen und vernünftiges Abriebverhalten wären im Kniebereich durch herausnehmbare Protektoren aus 3 mm starker Polyethylen-Schicht mit 15 mm PUR-Schaum zu erzielen. Schließlich schützen in kniehohen Stiefeln integrierte Unterschenkelprotektoren aus 1,5 mm starkem Polycarbonat mit 12 mm PUR-Schaum ohne Komforteinbußen bestmöglich gegen den häufig auftretenden Kantenbruch bei Kollisionen mit anderen Fahrzeugen.
Dr.-Ing. Dieter Anselm bezeichnete die im Allianz Zentrum für Technik entwickelte Konzeption als Denkanstoß für die einschlägige Bekleidungsindustrie. Die Motorradfahrer forderte er auf, angebotene Sicherheitsbekleidung nicht nur zu kaufen, sondern - selbst bei kurzen Fahrten - zur Verbesserung der eigenen Sicherheit unbedingt auch zu tragen.