Fahrerassistenzsysteme verhindern Lkw-Unfälle
Moderne Fahrerassistenzsysteme helfen, Lkw-Unfälle zu vermeiden. Die Zahl schwerer Lkw-Auffahrunfälle auf Autobahnen könnte bei einer Ausstattung aller Lkw mit einem abstandsgeregelten Tempomaten um zwei Drittel gesenkt werden. Dies ergab eine aktuelle Studie des Allianz Zentrums für Technik.
Allianz Versicherungs-AG
München, 27. April 2006
München, 27. April 2006
Im Jahr 2004 waren in Deutschland bei Unfällen mit Beteiligung von Güterkraftfahrzeugen 1.284 Getötete und 9.180 Schwerverletzte zu verzeichnen. Auffällig in der Bundesstatistik ist die seit 1991 stetige Abnahme der Zahl getöteter Pkw-Insassen bei gleich bleibender Anzahl getöteter Lkw-Fahrer und -Mitfahrer.
Ein wesentlicher Grund dafür ist die stetig wachsende Transportleistung. Vor diesem Hintergrund untersuchte das Allianz Zentrum für Technik (AZT) knapp 600 schwere Verkehrsunfälle mit Beteiligung eines Lkws über 7,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht hinsichtlich Unfallursachen, Unfallablauf und Unfallfolgen.
Tempomaten und Spurverlassungswarner verringern Zahl der Unfälle
Das Ergebnis der AZT Studie belegt: Moderne Fahrerassistenzsysteme im Lkw helfen, das Unfallrisiko signifikant zu senken. Wären derzeit alle Lkws mit einem abstandsgeregelten Tempomaten (ACC) ausgestattet, könnten 24 Prozent aller schweren Lkw-Auffahrunfälle vermieden werden. "Bezogen auf Lkw-Auffahrunfälle auf Autobahnen, für die das heutige System in erster Linie ausgelegt ist, liegt die Vermeidbarkeit sogar bei rund 70 Prozent", erläutert Johann Gwehenberger, Leiter der Unfallforschung und Schadenverhütung im AZT.
"Bei einer angenommenen Ausstattung aller Lkws mit einem Spurverlassungswarner (LGS) wären 49 Prozent der schweren Lkw-Unfälle durch unfreiwilliges Abkommen von der Fahrbahn, beispielsweise durch Unaufmerksamkeit oder Übermüdung des Lenkers, nicht passiert."
Allianz fordert Weiterentwicklung und flächendeckende Ausrüstung
Die Studie des Allianz Zentrums für Technik zeigt deutlich das Sicherheitspotential von ACC und LGS im Lkw auf und weist darauf hin, dass der Nutzen dieser Fahrerassistenzsysteme in der Unfallvermeidung durch intensive Weiterentwicklungen noch erhöht werden kann. Weitere Fortschritte in punkto Verkehrssicherheit und eine Reduktion von Personenschäden durch Verkehrsunfälle auf deutschen Straßen sind ohne aktive Sicherheitssysteme sowie Fahrerassistenzsysteme kaum realisierbar.
Ausgeschöpft werden kann der maximale Sicherheitsgewinn jedoch nur dann, wenn bei der Gestaltung der Systeme auch der Nutzer angemessen berücksichtigt wird. Nur ein anwenderfreundliches Fahrerassistenzsystem, das überdies nicht zu leichtsinnigem Fahrverhalten animiert, kann seinen Zweck erfüllen und Unfälle vermeiden.
Gwehenberger: "Wir empfehlen, den Nutzen dieser modernen Fahrerassistenzsysteme durch Weiterentwicklungen und eine verbesserte Nutzerfreundlichkeit zu intensivieren sowie durch attraktive Anschaffungskosten eine flächendeckende Ausrüstung voranzutreiben.“
Über Abstands- und Spurhalter für Lastwagen
ACC (Adaptive Cruise Control) sorgt dafür, dass der Lkw einen konstanten Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug hält. Verringert das vorausfahrende Fahrzeug die Geschwindigkeit, bremst der nachfolgende Lkw automatisch ab. Das derzeitige System ist jedoch nicht auf stehende Hindernisse ausgerichtet. Ist ein Abbremsen bis zum Stillstand notwendig, muss der Fahrer eingreifen. Dessen Aktion hat stets Vorrang vor dem System. Besonders wirksam ist ACC auf Autobahnen.
LGS (Lane Guard System) bzw. LDW (Lane Departure Warning) ist für Fahrten auf der Autobahn ausgelegt. Eine Videokamera erfasst die Fahrbahn, die Daten werden elektronisch ausgewertet. Fährt der Fahrer unbeabsichtigt auf der Fahrbahnmarkierung, wird er akustisch gewarnt und kann den Kurs rechtzeitig korrigieren.
Auftraggeber der Studie ist die MAN Nutzfahrzeuge AG im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts "Safe Truck".