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Streetracing-Spiele erhöhen Risikobereitschaft junger Fahrer
Intensiver Konsum von Computer-Rennspielen verlängert die Reaktionszeit junger Autofahrer im Straßenverkehr um bis zu eine Sekunde. Dies ergab ein Forschungsprojekt der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und des Allianz Zentrums für Technik (AZT).
Allianz Versicherungs-AG
München, 14. Juli 2006
München, 14. Juli 2006
Rennspiele an Computern und Spielkonsolen sind eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen Jugendlicher und junger Erwachsener. Die Uni München und das Allianz Zentrum für Technik untersuchten in einer Serie von drei Studien, ob und wie sich intensiver Konsum von so genannten "Street Racing Games", also Rennen in virtuell nachgebildeten Städten, auf das Risikoverhalten junger Menschen im Straßenverkehr auswirkt. "Gefahren sicher wahrzunehmen, ist für junge Autofahrer eine wichtige Voraussetzung, Unfälle zu vermeiden", sagt Jörg Kubitzki vom Bereich Kraftfahrzeugtechnik des AZT.
338 junge Fahrer nahmen an der Studie teil, 57 davon als Testpersonen an einem Experiment zum Risikoverhalten. Nachdem die Probanden im Alter von 19 bis 35 Jahren Street Racing Games gespielt hatten, unterzogen sie sich einem objektiven, standardisierten Test mit Verkehrsfilmsequenzen, der die Reaktionszeit in unfallträchtigen Verkehrssituationen in Millisekunden erfasst. "Dieser Test hat gegenüber der Fahrerbeobachtung im Fahrsimulator den Vorteil, dass er nicht in gleichem Maße durch angepasstes Verhalten verfälschbar ist", erklärt Peter Fischer von der LMU.
Reaktionszeit verlängert sich um eine Sekunde
Das Ergebnis: Nach den Rennspielen wurden im Durchschnitt über eine Sekunde längere Zeitspannen gemessen, bevor ein Fahrmanöver – beispielsweise das Überholen vor einer Landstraßenkurve – von den Testpersonen als kritisch eingestuft wurde. Bei jungen Männern zeigten sich die verlängerten Reaktionszeiten unabhängig von der Fahrleistung besonders deutlich. "Eine Sekunde Reaktionsverzögerung bedeutet eine erhebliche Gefahr in unfallträchtigen Situationen. Die Automobilindustrie stellt Assistenzsysteme mit geringerem Zeitgewinn bereit", so Kubitzki, "denn schon eine halbe Sekunde kann Leben retten."
Die Studie zeigte zudem erneut, dass die Intensität der Freizeitbeschäftigung mit Videospielen von Bedeutung ist: Je häufiger Rennspiele gespielt wurden, desto eher schilderten die Teilnehmer risikoreiches Fahren und Verkehrsunfälle.

LMU und AZT plädieren für Altersfreigabe erst ab 16 Jahren
Die neue Studie bestätigt die Erkenntnisse einer Vorstudie des AZT aus dem Jahr 2004. Eine Befragung unter Jugendlichen hatte die Relevanz von Rennspielen für die Verkehrssicherheit aufgezeigt. LMU und AZT fordern daher ein angemessenes öffentliches Problembewusstsein.
Das gemeinsame Fazit von Peter Fischer und Jörg Kubitzki: "Verkehrssicherheitsgremien, Industrie und Eltern sollten darauf hinwirken, dass sich bereits Jugendliche kritisch mit ihrem Rennspiel-Konsum auseinandersetzen. Wir halten zudem bei Street Racing-Spielen und Spielen mit unfallverherrlichendem Inhalt eine Altersfreigabe erst ab 16 Jahren für wünschenswert."