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Mit Sicherheit umweltfreundlich: Eco Driving und ECOmotion
Dr. Johann Gwehenberger, Unfallforscher im Allianz Zentrum für Technik (AZT-Automotiv) und Volker M. Berger, Produktmanager bei der Allianz Versicherungs-AG über Eco Driving und ECOmotion.
Doppelinterview mit Dr. Gwehenberger (Unfallforscher AZT Automotiv) und Volker M. Berger (Produktmanager ECOmotion Allianz Versicherungs-AG am 22.4.2008:
Bei der ECO Trophy der AUTO Zeitung am 6. April 2008 blieben alle 20 Teilnehmer mit einem VW Golf BlueMotion unter dem angegebenen EU-Normverbrauch von 4,5 Liter auf 100 Km. Der Durchschnittsverbrauch des Gewinners lag bei sensationellen 3,57 Liter. Das Geheimnis? Alle Teilnehmer bekamen vor dem Start von den Spritsparprofis des Allianz Zentrum für Technik und ARAL eine eingehende Unterweisung im sogenannten Eco Driving.

Was versteht das AZT unter Eco Driving?
Dr. Gwehenberger: Darunter versteht man spritsparendes und gleichzeitig sicheres Fahren. Realisiert wird es im wesentlichen durch eine vorausschauende und Geschwindigkeits angepasste Fahrweise. Der Fahrer muss dabei alle Faktoren, die das Fahrverhalten beeinflussen, wie beispielsweise Verkehrsdichte, Straßenverlauf oder Sichtverhältnisse konkret wahrnehmen und adäquat darauf reagieren.
Welche Bedeutung hat dabei das menschliche Verhalten?
Dr. Gwehenberger: Der menschliche Faktor spielt eine gravierende Rolle. Der Fahrer kann allein durch sein Fahrverhalten den Kraftstoffverbrauch um bis zu 20 Prozent reduzieren. Dazu gibt es vier wichtige Fahrtipps: 1. Das regelmäßige überprüfen des Fahrzeugzustandes, wichtig ist hierbei vor allem der richtige Luftdruck, 2. frühzeitiges Hochschalten, 3. ausreichender Abstand halten bis zu 3 Sekunden und 4. rechtzeitig den Fuß vom Gas nehmen, wenn man sieht, dass nicht weitergefahren werden kann. Ergänzend zu den Fahrtipps ist auch der verantwortungsvolle Umgang mit der Klimaanlage wichtig.
Wie geht das?
Dr. Gwehenberger: Das bedeutet, die Klimaanlage nur dann einzuschalten, wenn dies auch wirklich nötig ist. Viele Autofahrer lassen beispielsweise die Klimaanlage auch im Winter an. Das kostet nur unnötig Energie und belastet die Umwelt.
Eco-Driving zu verstehen heißt also, dass man sein erlerntes Verhalten am Steuer hinterfragen und gegebenenfalls ändern muss?
Dr. Gwehenberger: Eco Driving beginnt als Erstes im Kopf: Das "Handwerkszeug" kann idealerweise in einem Training wie zum Beispiel dem DVR-Schulungsprogramm "Fahr und Spar mit Sicherheit" erlernt und dann in der täglichen Fahrpraxis optimiert werden.
Kann der Automobilhersteller hier auch unterstützen?
Dr. Gwehenberger: Ja, denn auch von Herstellerseite wird das spritsparende Fahren durch technische Hilfen immer mehr unterstützt. Beispiele hierfür sind die Start-Stop-Automatik, die Hinweisanzeige auf den nächsthöheren Gang, die Bremsenergierückgewinnung oder die elektronische Reifendruckkontrolle, die im Jahr 2007 den Allianz Sicherheitspreis Genius gewonnen hat.
Warum beschäftigt sich das AZT Automotive mit dem Thema Eco Driving?
Dr. Gwehenberger: Die energiesparende Fahrweise korreliert stark mit dem Thema Verkehrssicherheit, und damit natürlich auch mit den Schadenzahlungen im Autoversicherungsbereich. Aktuell ist die Allianz gemeinsam mit dem WWF dabei, diesen Umstand bei der Risikobewertung zu berücksichtigen. Ziel ist ein Autotarif, der sich am CO2-Ausstoß und am Eco Driving orientiert.
Gibt es bereits Forschungsergebnisse zur Eco Driving?
Dr. Gwehenberger: In Deutschland gibt es aktuell zwei Studien des Deutschen Verkehrssicherheitsrates, die belegen, dass durch Eco Driving der Kraftstoffverbrauch um bis zu ein Fünftel und die Anzahl der Unfälle sogar um bis zu einem Drittel zurückgehen können.
Gibt es aus Ihrer Sicht auch Gefahren beim Eco Driving?
Dr. Gwehenberger: Bei falscher Durchführung, ja. Ich möchte exemplarisch zwei Beispiele nennen: zum einen das zu frühe Ausrollen lassen; das stört den nachfolgenden Verkehrsfluss. Zum anderen das Abstellen des Motors bei einer Bergabfahrt.
Wo liegt aus Ihrer Sicht die Grenze zwischen umweltbewussten und sicherem Fahren ?
Dr. Gwehenberger: Bei einem Konflikt zwischen energiesparendem und sicherem Fahren muss immer die Devise gelten: Sicherheit hat Vorrang!

Eco Driving hat sicherlich auch Auswirkungen auf die Risikobeurteilung in der Produktentwicklung. Wird die CO2-Thematik auch bei der Produktentwicklung für die Autoversicherung Berücksichtigung finden?
Volker Berger: Die Kfz-Steuer wird sich künftig am CO2-Ausstoß orientieren. Meine Prognose geht dahin, dass dies künftig natürlich auch für die Autoversicherung gelten wird, da der CO2-Ausstoß untrennbar mit dem Automobil verbunden ist.
Können Sie das genauer erläutern?
Volker Berger: Die Allianz bietet bereits heute mit ECOmotion dem Autofahrer die Möglichkeit, individuelle Mobilität mit verantwortungsvoller CO2-Neutralisation zu verbinden. Das Produkt ist angebunden an eine herkömmliche Allianz Autoversicherung. Der Kunde erwirbt mit ECOmotion ein CO2-Minderungszertifikat, dessen Preis sich nach dem individuellen CO2-Ausstoß seines Fahrzeuges richtet. Mit dem Erwerb des Zertifikates beteiligt sich unser Kunde direkt an Projekten, die dazu dienen, den weltweiten CO2-Ausstoß zu reduzieren. So fließt der Beitrag beispielsweise in den Aufbau von Windenergieprojekten oder in Investitionen in verbesserte Energieeffizienz.
Was ist denn das Besondere an ECOmotion?
Volker Berger: Die Idee von ECOmotion ist ganz einfach: Viele unter Umweltgesichtspunkten sinnvollen Investitionen in neue umweltverträglichere Anlagen können nur stattfinden, wenn die Projekte durch den Verkauf von CO2-Minderungszertifikaten mitfinanziert werden. Durch ECOmotion ermöglichen wir unseren Kunden, aktiv und verursachungsgerecht an diesem weltweiten Handel teilzunehmen.
Was versteht man unter einem CO2-Minderungszertifikat?
Volker Berger: Ein solches Zertifikat ist gegen einen Geldbeitrag für ein internationales Klimaschutzprojekt erhältlich und wird der Allianz durch unseren Partner 3C vermittelt. Die Allianz, gemeinsam mit Ihrem Partner WWF, achtet besonders genau darauf, dass nur solche Projekte gefördert werden, die den sogenannten Gold-Standard erfüllen. Dies ist ein Standard für Klimaschutzprojekte, der auch die Umwelt und die Bevölkerung vor Ort möglichst verträglich mit einbindet. Damit sind die Projekte sowohl klima- als auch entwicklungspolitisch sehr hochwertig und spenden zusätzlich einen hohen sozialen Nutzen.
Welche Projekte werden zurzeit von der Allianz unterstützt?
Volker Berger: Momentan sind es Projekte z.B. in Indien oder Thailand. Welche Projekte aktuell unterstützt werden, kann jeder Interessierte im Internet anschauen. Wir haben hierzu eine eigene Internetseite unter http://www.allianz-autowelt.de/magazin/ecomotion-klimaschutz-mobilitaet/index.html geschaffen. Dort werden die Projekte vorgestellt und erklärt.
Wie fügt sich ECOmotion in das Gesamtkonzept des Klimaschutzes für Autofahrer ein?
Volker Berger: Beim Klimaschutz für Autofahrer geht es um die drei Stufen: vermeiden, vermindern und neutralisieren. Den CO2-Ausstoß komplett zu vermeiden, ist nur in begrenztem Maße möglich, da viele Menschen auf ihre individuelle Mobilität angewiesen sind. Zum Vermindern zählt insbesondere Eco Driving, hierzu haben wir bereits von Dr. Gwehenberger einige Tipps gehört. Auch ist das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel zu nennen, was jedoch meist mit einer Einschränkung der Flexibilität einher geht. Auch sehe ich hierin keine Motivation, die zum Abschluss einer Autoversicherung führt. Mit ECOmotion geht die Allianz einen Schritt weiter und ermöglicht ihren Kunden die CO2-Neutralisation, ohne dass sie ihre individuellen Mobilität aufgeben müssen. Die Allianz unterstützt damit ihre Kunden, einen eigenen Beitrag für den Klimaschutz zu leisten - hierbei sind wir bislang die erste und einzige Versicherung am Markt! Konsequenterweise hat die Allianz Gruppe auch ihre Dienstwagen in Deutschland seit diesem Jahr CO2-neutral gestellt.
Was kostet eigentlich der Kauf eines Emmissions-Minderungszertifikates?
Volker Berger: Wie bereits erwähnt richtet sich der Beitrag für das Zertifikat nach dem CO2 Ausstoß des Kundenfahrzeuges. Dieser ist abhängig vom Fahrzeugtyp und der Jahreslaufleistung. Lassen Sie es mich ab besten durch ein konkretes Beispiel erklären. Für ein Fahrzeug der Golf-Klasse mit einer Jahreslaufleistung von 12.000 km kostet das Minderungszertifikat etwa 35 Euro im Jahr.
Das ist nicht besonders teuer!
Volker Berger: Ja, das stimmt. Und das ist auch bewusst so geplant. Umweltschutz wird letztendlich nur dann auch umgesetzt, wenn die Kosten für den Betroffenen bezahlbar sind. Wir können das Produkt so günstig anbieten, da wir die eigenen Verwaltungskosten für ECOmotion unseren Kunden nicht in Rechnung stellen.
Der Kunde erhält also ein Zertifikat und …
Volker Berger: Ja, jeder Kunde, der ECOmotion kauft, erhält eine Bestätigung über den Erwerb des Zertifikats. Eine Plakette mit dem WWF-Siegel erhalten darüber hinaus alle Fahrzeuge, deren Versicherungsnehmer ECOmotion abgeschlossen haben und die pro Kilometer weniger als 140 Gramm CO2 ausstoßen.
Vielen Dank für das Gespräch!