Mobilität braucht Sicherheit
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Die Hälfte der Autounfälle könnte künftig vermieden oder in ihrer Schwere reduziert werden. Eine volkswirtschaftliche Einsparung bis zu jährlich 7 Mrd. Euro ist langfristig möglich. Aktuelle Forschung der Allianz belegt das hohe Unfallvermeidungspotential der untersuchten Fahrerassistenzsysteme. Die aktuellen Ergebnisse des AKTIV Forschungsprojektes wurden am 23. Juni in Mendig der Presse vorgestellt.
Ziel der vorliegenden Untersuchung des Allianz Zentrum für Technik (AZT) mit Unterstützung der Hochschule München (HM) ist die Bestimmung des Wirkpotentials neuer Fahrerassistenzsysteme durch den Vergleich mit tatsächlichen Unfalldaten. Die Allianz hat hierfür eine eigene Unfalldatenbank mit über zweitausend schweren Verkehrsunfällen zur detaillierten Analyse aufgebaut. Für die Forschungsinitiative AKTIV wurden vier in der Entwicklung befindliche, intelligente und optimierte Fahrerassistenzsysteme für Pkw und Lkw auf ihre Wirksamkeit untersucht.
Das Ergebnis zeigt, dass alle vier untersuchten AKTIV-Systeme Unfälle vermeiden oder die Unfallfolgen mildern können. Das größte Unfallvermeidungspotential weist die "Aktive Gefahrenbremse" für PKW mit Personenschaden mit 44,6 Prozent (Lkw 41 Prozent) auf. Gefolgt vom "Kreuzungsassistent" mit 33,3 Prozent (Lkw 16 Prozent), "Sicherheit Fußgänger und Radfahrer" mit 14,4 Prozent (Lkw 3 Prozent) und der "Integrierten Querführung" mit 6,4 Prozent (Lkw 22 Prozent).
Illustratives Bild
"Wären in Deutschland alle Pkw und Lkw flächendeckend mit allen vier untersuchten AKTIV-Systemen der höchsten Ausbaustufe ausgerüstet, könnten langfristig rund die Hälfte der Pkw- und Lkw-Unfälle mit Personenschaden vermieden oder deren Schwere reduziert werden", sagt Dr. Johann Gwehenberger, Leiter der Unfallforschung im Allianz Zentrum für Technik. "Neben der Vermeidung von menschlichem Leid entspräche dies einer Reduktion von jährlich bis zu 7 Milliarden Euro an volkswirtschaftlichen Unfallfolgekosten."
Eine Ausschöpfung des Unfallvermeidungspotentials ist erst möglich, wenn die Systeme für Käufer verfügbar sind und eine nennenswerte Marktdurchdringung erreichen. Dennoch stimmen die Unfallforschungsergebnisse der Allianz zuversichtlich. "Die AKTIV-Systeme werden in Zukunft helfen, die Zahl der Verunglückten im Verkehr weiter zu reduzieren," sagt Gwehenberger.
Filmbeitrag zur AKTIV Pressemitteilung
Die vier untersuchten AKTIV-Systeme im Überblick:
Aktive Gefahrenbremse: Anders als bei heute verfügbaren Notbremssystemen wird das System stärker an die Verkehrssituation angepasst sein. Einen Schwerpunkt stellt das abgestufte Warn- und Handlungskonzept (Warnung > Bremsung > Notbremsung) dar, welches die Fahreraufmerksamkeit berücksichtigt und den Fahrer in das Geschehen mit einbezieht.
Integrierte Querführung: Das System soll eine kontinuierliche Querführungsunterstützung für den Geschwindigkeitsbereich von 0 bis 180km/h für Spurhaltung, Spurwechsel sowie innerhalb von Baustellen ermöglichen. Ziel ist die zuverlässige, teilautonome Spurhaltung auch in komplexen Fahrsituationen.
Kreuzungsassistent: Das System soll den Fahrer beim Überqueren einer Kreuzung und beim Ein- und Abbiegen unterstützen. Bordsensorik, kooperative Kommunikation, Integration von Positionsangaben und digitalen Karten sowie eine umfassende Situationsanalyse bilden die Basis. Die geeignete Auswahl von Informations- und Warnstrategien bis hin zum automatischen Eingriff sichert die optimale Unterstützung des Fahrers.
Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer: Das System soll mittels einer vorausschauenden Sensorik Gefahrensituationen mit ungeschützten Verkehrsteilnehmern im Vorfeld erkennen und wirkungsvolle Schutzmaßnamen einleiten. Die Bandbreite der Maßnahmen beinhaltet die Warnung des Fahrers und der ungeschützten Verkehrsteilnehmer, den aktiven Eingriff in das Bremssystem und die Verwendung (ir-)reversibler Schutzmechanismen.
Über die Forschungsinitiative AKTIV:
Die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) geförderte deutsche Forschungsinitiative AKTIV steht für „Adaptive und Kooperative Technologien für den Intelligenten Verkehr“. Die Forschungsinitiative AKTIV ist mit einem Budget von insgesamt 60 Millionen Euro ausgestattet, den überwiegenden Anteil finanzieren die Partner. Das BMWi steuert 25 Millionen Euro bei, vom BMBF werden 2,1 Millionen Euro erbracht. Beteiligt sind 28 Partner – Automobilhersteller und -zulieferer, Elektronik-, Telekommunikations- und Softwarefirmen, Forschungsinstitute sowie die Straßen- und Verkehrsverwaltung.
Ziel der auf vier Jahre angelegten Forschungskooperation ist, den Verkehr der Zukunft sicherer und leistungsfähiger zu machen. Die Partner entwickeln bis Mitte 2010 gemeinsam neue Fahrerassistenzsysteme sowie Lösungen für ein effizientes Verkehrsmanagement und für eine geeignete Fahrzeug-Fahrzeug bzw. Fahrzeug-Infrastruktur-Kommunikation.
Die Partner von AKTIV sind: Adam Opel GmbH, Audi AG, AZT Automotive GmbH, BMW Group, Bundesanstalt für Straßenwesen, Continental, Daimler AG, Ericsson, Ford Forschungszentrum Aachen GmbH, Hessisches Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen, Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, IBEO, ifak e.V. Magdeburg, MAN Nutzfahrzeuge AG, PTV AG, Robert Bosch GmbH, Siemens AG, Technische Universität Braunschweig, Technische Universität München, Tele Atlas Deutschland GmbH, Transver GmbH, Universität Kassel, Vodafone Group R&D Germany und Volkswagen AG. Als Unterauftragnehmer arbeiten außerdem zahlreiche Universitäts- und Forschungsinstitute sowie kleinere und mittelständische Unternehmen an den Projekten mit. Weitere Informationen unter: www.aktiv-online.org.
Die beiden Forschungsberichte des Allianz Zentrum für Technik zum Forschungsprojekt AKTIV-AS "Unfallstruktur- und Wirkpotenzialanalysen zu den AKTIV-Applikationen auf der Basis von Pkw-Haftpflichtschäden mit Personenschaden" und "Unfallstruktur- und Wirkpotenzialanalysen zu den AKTIV-Applikationen auf der Basis von Lkw-Haftpflichtschäden" können Sie hier gerne downloaden.
 
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