Vollkasko – alles was Sie dazu wissen müssen

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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Vollkaskoversicherung ist eine der drei möglichen Deckungsstufen für Fahrzeuge.
  • Sie leistet sowohl für Ihre eigenen als auch für fremde Schäden.
  • Die Höhe der Prämie hängt von zahlreichen Faktoren ab.
  • Die Vollkaskoversicherung empfiehlt sich besonders für finanzierte Neuwagen.

Alle paar Minuten passiert in Deutschland ein Unfall. Glücklicherweise handelt es sich zwar in der überwiegenden Mehrheit um Blechschäden, zum Beispiel beim Ein- und Ausparken – aber wenn es doch heftiger kracht, wird es schnell teuer.

Die Vollkaskoversicherung erscheint für viele Autofahrer unbezahlbar. Die hohen Beiträge wirken abschreckend und lassen Zweifel aufkommen: Lohnt sich die Prämie auch? Leistet die Vollkasko so viel mehr als eine andere Versicherungsvariante?

In diesem Artikel erhalten Sie eine Entscheidungshilfe mit allen wichtigen Aspekten zur Vollkaskoversicherung.

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Die unterschiedlichen Absicherungen in der Kfz-Haftpflicht, Teil- und Vollkasko

Bei der Auswahl Ihrer Autoversicherung stehen ihnen drei Tarifvarianten zur Auswahl: die Haftpflicht, die Teilkasko und die Vollkasko. Diese differenzieren sich stark in ihrem Leistungsumfang und in ihrem Deckungsbereich. Grundsätzlich gilt, dass eine Kfz-Haftpflicht die günstigste und die Vollkaskodeckung die teuerste Variante ist.

Kfz-Haftpflicht

Die Haftpflichtversicherung ist eine Pflichtvoraussetzung für die Zulassung eines Fahrzeugs. Sie deckt die folgenden Schäden ab:

  • Personenschäden
  • Sachschäden
  • Vermögensschäden

Die Versicherung zahlt nur für Ihren Unfallgegner, falls Sie einen Unfall verursachen. Sie müssen für eigene Schäden selbst aufkommen.

Teilkasko

Die Teilkasko leistet für dieselben Schäden wie die Haftpflicht. Darüber hinaus greift sie in den folgenden Fällen und zahlt für Schäden am versicherten Fahrzeug:

  • Diebstahl
  • Überschwemmung
  • Brand und Explosion
  • Naturereignisse wie Blitzschlag, Sturm und Hagel
  • Zusammenstöße mit Wild- und Haustieren
  • Glasschäden
  • Schäden an der Fahrzeugelektronik nach einem Kurzschluss

 

Abhängig vom gewählten Tarif können weitere Risiken versichert sein:

  • Marderbiss
  • Tierunfälle ohne Mindestgröße
  • Versicherungsschutz für Mietwagen im Ausland – die sogenannte "Mallorca-Police"
  • Versicherungsschutz in Europa oder weltweit

Vollkasko

Die Vollkasko bietet den umfassendsten Versicherungsschutz aller drei Varianten. Neben den Leistungen der Teilkasko zahlt sie auch bei:

  • Unfallschäden am eigenen Fahrzeug, auch für den Unfallverursacher
  • Schäden aufgrund eines geplatzten Reifens, wenn dieser zu einem Unfall führt.
  • Vandalismus
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Wann ist eine Vollkasko-Versicherung sinnvoll?

Die Vollkasko-Versicherung empfiehlt sich, wenn Sie einen hohen Schaden bis hin zum totalen Wertverlust Ihres Fahrzeugs finanziell nicht stemmen könnten. Das ist regelmäßig bei finanzierten oder geleasten Fahrzeugen der Fall. Auch bei Neuwagen lohnt sich meistens eine Vollkasko. Im Falle eines selbstverursachten Unfalls mit Totalschaden hätten Sie kein Auto mehr. Die Kreditraten wären dennoch fällig.


Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Entscheidung über den Deckungsgrad ist, wie sehr Sie auf das Fahrzeug angewiesen sind. Benötigen Sie es dringend für die Ausübung Ihres Berufs? Dann sollten Sie die Vollkasko-Versicherung in Betracht ziehen. Könnten Sie im Fall des Falles den Arbeitsweg mit den Öffentlichen bewältigen? Möglicherweise reicht Ihnen eine geringere Absicherung.

Neuwert oder Wiederbeschaffungswert?

Beim Abschluss Ihrer Versicherung haben Sie die Wahl, ob Sie im Schadensfall eine Regulierung zum Neu- oder zum Wiederbeschaffungswert haben möchten. Letzteres ist günstiger, da der Versicherer den jährlichen Wertverfall Ihres Fahrzeugs berücksichtigt. Erleidet Ihr Fahrzeug einen Totalschaden, erhalten Sie andernfalls den Neupreis ersetzt. Bei einem Leasing ist das vorteilhaft.

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Autowelt - Achtung: Wer Ihr Auto fährt, entscheiden Sie selbst. Wenn allerdings ein nicht genannter Fahrer einen Unfall mit Ihrem Fahrzeug verursacht, drohen eine Vertragsstrafe und eine Rückstufung Ihrer Schadenfreiheitsklasse.

Welche Faktoren beeinflussen den Beitrag zur Vollkasko?

Versicherungsgesellschaften berücksichtigen bei ihrer Beitragsberechnung mehrere Faktoren. Die wichtigsten sind:

  • Die Typklasse des Fahrzeugs gibt an, wie häufig Versicherer für bestimmte Automodelle zahlen müssen. Je häufiger ein Modell auf den Straßen zu finden ist und einen Schaden hat, desto höher ist die Typklasse. In der Vollkasko reicht sie von 10 bis 34.
  • Die Regionalklasse richtet sich nach dem Ort, an dem Sie das Fahrzeug zulassen. Städtische Gebiete sind dabei ungünstiger als ländliche Regionen.
  • Die Schadenfreiheitsklasse gibt Auskunft darüber, wie viele Jahre ein Fahrzeughalter bereits unfallfrei ist. Sie wirkt sich in erster Linie auf die Haftpflichtkomponente des Vertrags aus.
  • Die Anzahl der Fahrzeugführer
  • Das Alter des Versicherungsnehmers und der Fahrer
  • Die jährliche Fahrleistung
  • Der nächtliche Stellplatz des Fahrzeugs
  • Die Höhe der Selbstbeteiligung – je mehr Sie im Schadensfall selbst tragen, desto niedriger wird der Beitrag.
  • Die Werkstattbindung
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Autowelt - Auto parkt vor Garage - Vollkasko

So sparen Sie bei der Vollkaskoversicherung

  • Vergleichen Sie die Tarife vieler Versicherungsgesellschaften.
  • Vereinbaren Sie eine hohe Selbstbeteiligung (Die Selbstbeteiligung können Sie frei wählen. Von 0 bis 1.000 Euro je Schadenfall ist alles möglich.)
  • Zahlen Sie den Beitrag einmal im Jahr im Voraus.
  • Stellen Sie das Fahrzeug in einer abschließbaren Garage unter.
  • Lassen Sie niemand anderen mit Ihrem Fahrzeug fahren.
  • Akzeptieren Sie eine Werkstattbindung.

Ein weiterer indirekter Weg bei der Vollkasko zu sparen: Bezahlen Sie kleinere Schäden selbst. Wenn Sie den Schaden nicht über Ihren Versicherer regulieren lassen, entgehen Sie einer Hochstufung (und somit zukünftig einer teureren Versicherungsprämie). Ihre Schadenfreiheitsklasse bleibt dann erhalten. 

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In diesen Fällen zahlt die Vollkasko nicht

Der Versicherungsschutz ist bei der Vollkasko-Versicherung sehr umfangreich. Dennoch zahlt sie nicht immer. Das sind die häufigsten Ablehnungsgründe:

  • Der Schaden ist nicht gedeckt: Welche Schäden Ihre Versicherung übernimmt, finden Sie in den Versicherungsbedingungen. Ist Ihr Schaden nicht gelistet, muss Ihr Versicherer nicht zahlen.
  • Ausschlüsse: Ist Ihr Schaden gar ausgeschlossen, haben Sie keine Chance auf eine Kostenübernahme. Gängige Ausschlüsse sind beispielsweise Kriege oder atomare Katastrophen.
  • Fahrlässigkeit und grobe Fahrlässigkeit: Hätten Sie den Unfall verhindern können, wird es schwierig, Ihren Schaden geltend zu machen. Das gilt unter anderem für einen abgelaufenen TÜV, Ablenkungen am Steuer oder den Diebstahl eines unverschlossenen Autos. Bei manchen Versicherern können Sie jedoch in bestimmten Fällen grobe Fahrlässigkeit versichern lassen.
  • Unfallflucht
  • Vorsatz: Führen Sie absichtlich einen Schaden herbei, zahlt keine Versicherung.
  • Fahren unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen
  • Verspätete Unfallmeldung: Nach einem Unfall haben Sie bis zu 7 Tage Zeit für die Unfallmeldung. Verpassen Sie diese Frist, gehen Sie womöglich leer aus.
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Laufzeiten und Kündigungsfristen

Fahrzeugversicherungen haben in der Regel eine Laufzeit von einem Jahr. Sie können jedoch auch eine längere Laufzeit vereinbaren und so versuchen, Ihren Beitrag zu senken. Die Kündigungsfristen unterscheiden sich von Versicherer zu Versicherer. Von flexiblen, jederzeit kündbaren Vollkaskoversicherungen bis hin zu einer dreimonatigen Kündigungsfrist finden Sie am Markt alle Varianten. Welche Laufzeit und Kündigungsfrist für Ihren Vertrag gilt, erfahren Sie in Ihren Versicherungsunterlagen.

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Wie läuft eine Schadensmeldung ab und was passiert danach?

Versicherungsgesellschaften betreiben oftmals eine Schaden-Hotline. Hier können Sie Ihren Schaden fast rund um die Uhr telefonisch melden. Anschließend erhalten Sie eine schriftliche Zusammenfassung und eine abschließende Meldung über die Regulierung.

Wer zahlt den Gutachter?

Sollte ein Gutachten nötig sein, ist dieses nicht über die Vollkasko abgedeckt. Gutachterkosten zahlt die Verkehrsrechtschutzversicherung. Die Haftpflichtversicherung übernimmt sie nur, wenn Sie unberechtigte Forderungen abwehren.

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