Warnwestenpflicht: So werden Sie
zum leuchtenden Beispiel

Autowelt - Aufgestelltes Warndreieck in Rückspiegel - Mann trägt Warnweste

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BLITZMERKER

Wussten Sie, dass …
… es in England seit einigen Jahren Warnwesten für Hühner gibt? Sie schützen freilaufendes Federvieh davor, von Autos überfahren zu werden. Wie es bei uns mit der Warnwestenpflicht aussieht, erfahren Sie auf dieser Seite.

Achtung: Warnwestenpflicht! Haben Sie eigentlich eine Warnweste im Auto?

Es kracht! Jetzt nichts wie raus aus dem Auto, das Warndreieck aufstellen, die Fahrbahn sichern ... da war doch noch was, oder? Ach ja, die Warnweste. Wo steckt die eigentlich? Nach kurzem Überlegen fällt Ihnen dann ein: Die haben Sie Ihrer Tochter angezogen, als sie morgens im Dunkeln zur Bushaltestelle musste. Seither nie wieder gesehen. Blöd, dass die Polizei Ihnen für diese elterliche Fürsorge nun 15 Euro Bußgeld abknöpfen wird.

Und dabei haben Sie noch Glück gehabt: In Belgien wären Sie jetzt bis zu 1.375 Euro los und in Rumänien – je nach Ihrem Einkommen – vielleicht noch mehr. Also besser gleich zuschlagen, wenn der Baumarkt oder das Autohaus genormte Warnwesten im Sonderangebot haben. Mindestens eine, besser gleich ein Familienpack an Warnkleidung, gehören seit dem 1. Juli 2014 ins Auto.

In Deutschland besteht Mitführpflicht – Was bedeutet das?

Eine Warnweste brauchen Sie als Autofahrer immer. Sie muss im Auto sein. Punkt. Das kuriose Detail: Die Warnwestenpflicht besagt, dass Sie die Warnweste dabeihaben. Anziehen müssen Sie sie nicht. Eine Tragepflicht besteht also nicht. Damit steht Deutschland in Europa ziemlich allein da. Unser Verkehrsministerium vertraut da ganz „auf das eigenverantwortliche Handeln der Verkehrsteilnehmer“. Allerdings kann es durchaus passieren, dass Sie eine Teilschuld zugeschrieben bekommen, wenn Sie nachts ohne Warnweste auf der Autobahn herumlaufen und dadurch einen Folgeunfall provozieren.

Also keine Angst: Wer am Dorfrand parkt, um dort Freunde zu besuchen, muss nicht in voller Warnmontur zum Hauseingang laufen. Bei einem Unfall und bei Pannen (auch am helllichten Tag!) macht das Überziehen der Weste aber Sinn. Die Entscheidung hängt immer von der Situation und Ihrem eigenen Ermessen ab. Mitdenken ist angesagt.

Autowelt - Mann mit Warnweste

Was bringt die Warnwestenpflicht eigentlich?

Ein Test des TÜV Rheinland hat ergeben, dass Personen mit dunkler Kleidung nur bis zu 30 Meter sichtbar sind. Also weiße Jacken kaufen? Hilft auch nicht: Bei heller Kleidung ist die Sichtbarkeit mit 40 Metern nicht wesentlich besser. Warnwesten allerdings stechen dem Betrachter durch ihre retroreflektierenden Bänder sofort ins Auge. Man erkennt sie bis zu 150 Meter weit.

Was muss ich beachten, wenn ich eine Warnweste kaufe?

Momentan gelten in Deutschland noch zwei Normen: Die ältere europäische Norm EN 471 mit zwei waagerechten Reflektorstreifen um den Bauch. Und die neuere EN ISO 20471:2013 mit zwei zusätzlichen senkrechten Streifen über den Schultern. Bei der Farbe haben Sie eine kleine modische Freiheit: Gelb, Rotorange oder Orange sind zulässig.

Westen nach der alten EN 471 werden mittlerweile nicht mehr hergestellt. Restbestände sind aber noch im Handel und dürfen auch benutzt werden. Familien sollten beim Kauf auch an ihren Nachwuchs denken: In der gebräuchlichen Einheitsgröße der Westen werden Ihre Kinder aussehen, als hätten sie ein Zelt an. Kindergrößen in ISO-Norm lösen das Problem.

Autowelt - doodle Warnweste im Auto

Soll die Warnweste in den Kofferraum oder ins Handschuhfach?

Das Wichtigste: Warnwesten müssen schnell greifbar sein. Wer erst mal aussteigen und im Kofferraum herumwühlen muss, ist vielleicht schon überfahren worden, bevor er seine Weste anziehen konnte. Die Westen sollten außerdem möglichst vor Lichteinfall geschützt werden, um ihre Leuchtkraft zu erhalten. Am besten verstauen Sie sie daher im Handschuhfach oder unter den Sitzen.

Warnwestenpflicht: Welche Vorschriften gelten im Ausland?

Im Urlaub ist alles wieder ganz anders. Unsere europäischen Nachbarn vertrauen nämlich nicht auf kluge Entscheidungen ihrer Verkehrsteilnehmer.

  • Die Österreicher haben zum Beispiel eine Tragepflicht etabliert: Die Warnweste muss bei jeder Panne außerorts angezogen werden, ohne Punkt und Komma.
  • Noch härter sind die Franzosen bei der Tragepflicht. Hier wird bei einem Unfall schon das Aussteigen ohne Warnweste bestraft.
  • Den Belgiern drohen saftige Geldbußen von bis zu 1.375 Euro für Warnwestenmuffel im Unfallgeschehen. Dafür gibt’s aber gar keine Strafe bei Routinekontrollen, wenn die Sicherheitsweste fehlt.
  • Italienern ist die ISO-Norm völlig egal, aber irgendwas Reflektierendes muss an den Leib, wenn Sie auf offener Straße das Fahrzeug verlassen.
  • Norweger haben zwar grundsätzlich eine Warnwestenpflicht. Sie belangen aber nur ihre eigenen Bürger, keine Urlauber.
  • Finnen fordern sogar von Fußgängern Reflektorstreifen.
  • Lediglich in der Schweiz gilt weder Mitführ- noch Tragepflicht. Den Schweizern ist neben der Warnweste übrigens sogar der Verbandskasten schnuppe.

Man sieht also: Jedes europäische Land hat seine eigene Warnwestenpflicht. Wer mit dem Auto in den Urlaub fährt, sollte sich deshalb unbedingt vorher über die Landesgesetze informieren oder eben auf Nummer sicher gehen: Für jeden eine Weste. Immer beim Aussteigen anziehen. Dann kann nichts passieren.

Autowelt - Landkarte Vorschriften im Ausland
Autowelt - Pfeile rechts

Sie brechen demnächst zu einer längeren Reise auf? Dann informieren Sie sich hier, damit Sie immer sicher unterwegs sind:

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Autowelt - trennstrich_950x3

Was droht mir, wenn ich keine Warnweste dabeihabe?

Laut Bußgeldkatalog drohen dem Autofahrer 15 Euro Bußgeld, aber keine Punkte Flensburg. Kompliziert wird es dann, wenn Sie aufgrund Ihrer schlechten Erkennbarkeit ohne Warnweste einen Folgeunfall auf der Straße auslösen. Dann wird Ihnen eine Teilschuld am Unfall zugeschrieben.

Gilt die Warnwestenpflicht auch für Motorräder?

In Deutschland nicht. Wohl aber in Belgien, Bulgarien, Kroatien, Luxemburg, Ungarn und der Slowakei.

Brauche ich für jeden Mitfahrer eine Weste?

Nein. Die Warnwestenpflicht ist in Deutschland bereits durch eine einzige Warnweste erfüllt. Allerdings macht es durchaus Sinn, noch weitere Westen mitzuführen, um jede Person, die bei einem Unfall aussteigt, zu ihrer eigenen Sicherheit kenntlich zu machen. Eine Weste pro Sitzplatz ist optimal!

Wo bekomme ich Warnwesten und was kosten sie?

Das Gute an der Warnwestenpflicht: Die Nachfrage nach fluoreszierender Schutzkleidung ist so angestiegen, dass es sie praktisch überall zu kaufen gibt: in Baumärkten, an Tankstellen, im Zubehörhandel, bei den Automobilclubs oder ganz bequem im Internet. Meist kosten die Westen nur 3 bis 5 Euro. Also so viel wie ein Stück Kuchen im Lieblingscafé – das sollte Ihnen die Sache wert sein.

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