Wirtschaftlicher Totalschaden: So rechnen Sie ab

Autowelt - Silbernes Auto mit Frontalschaden und kaputten Türen am Straßenrand – ist das ein wirtschaftlicher Totalschaden?

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BLITZMERKER

Im Jahr 2015 zählte das Statistische Bundesamt 6.850 Unfälle pro Tag in Deutschland.
Viele Autos haben danach nur noch Schrottwert – wirtschaftlicher Totalschaden. Wir erklären Ihnen, was das bedeutet.

Wirtschaftlicher Totalschaden: Was ist das?

Eine Sekunde nicht aufgepasst, schon ist es passiert: ein schwerer Auffahrunfall, das Auto scheint vollständig zerstört. Wirtschaftlicher Totalschaden? Ist das Fahrzeug so stark beschädigt, dass die veranschlagten Kosten für eine Reparatur höher sind als der Wiederbeschaffungswert, dann leider ja.

Ein Beispiel:
Würde die Anschaffung eines gleichwertigen Autos 7.000 Euro kosten, während die Reparatur des Schadens mit 9.000 Euro zu Buche schlägt, handelt es sich um einen wirtschaftlichen Totalschaden.

Der technische Totalschaden

Eine andere Art von Totalschaden ist übrigens der technische: Während bei einem wirtschaftlichen Totalschaden eine Reparatur noch möglich ist, kann bei einem technischen Totalschaden der ursprüngliche Zustand unter keinen Umständen wiederhergestellt werden. Der Wagen ist nicht mehr zu retten.

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Diagnose eines wirtschaftlichen Totalschadens

Generell ist es so, dass nach einem Unfall ein Kfz-Gutachter den Unfallschaden an Ihrem Wagen überprüft und in einem Unfallgutachten die Reparaturkosten, den Wiederbeschaffungs- und den Restwert Ihres Fahrzeugs bewertet. Beim Restwert handelt es sich um den Wert Ihres Autos, den es im nicht reparierten Zustand besitzt. Kommt der Gutachter zu dem Fazit, dass ein wirtschaftlicher Totalschaden vorliegt, können Sie Ihren Unfallwagen verkaufen und sich die Differenz zum Wiederbeschaffungswert von der gegnerischen Versicherung auszahlen lassen – wenn der andere der Unfallverursacher ist.

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Die 130-Prozent-Regel

Eine Sonderregelung im Schadensfall ist die 130-Prozent-Regel. Bei einem unverschuldeten Unfall wahrt sie das Integritätsinteresse des Betroffenen. Damit wird im Schadensrecht das Interesse des Geschädigten am Erhalt seines Vermögens bezeichnet.

Als Geschädigter haben Sie nun die Möglichkeit, Ihren Unfallwagen zu behalten, wenn die Kosten für die Instandsetzung maximal 30 Prozent über den Kosten für die Wiederbeschaffung liegen. Das heißt, bei einer Voll- oder Teilkasko können Sie bis zu 130 Prozent der Wiederbeschaffungskosten als Schadensersatz fordern, wenn Ihr Wagen für diesen Betrag wieder komplett flottgemacht werden kann. Liegt der Wert der Wiederbeschaffung für ein gleichwertiges Auto bei 7.000 Euro, könnten Sie maximal 9.100 Euro als Schadensersatz für die Reparatur fordern.

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Sie einen Schadensfall auf 130-Prozent-Basis abrechnen können:

Autowelt - Blauer Button: Im Haftpflichtfall haben Sie Anspruch auf einen Mietwagen!
  • Die Reparaturkosten dürfen maximal 30 Prozent über den Wiederbeschaffungskosten liegen.
  • Der Unfallwagen muss mindestens 6 Monate ab Unfall weiter angemeldet und versichert bleiben.
  • Die Reparatur muss dem Sachverständigengutachten gemäß erfolgen.
  • Der Nachweis der gutachtenkonformen Reparatur muss per Rechnung vorliegen.
  • Eine Reparatur in Eigenregie muss durch einen Kfz-Sachverständigen als gutachtenkonform bestätigt werden.
  • Unvollständige Reparaturen werden nicht mittels der 130-Prozent-Regel abgerechnet, sondern auf Basis der Berechnung des Totalschadens.
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Was zahlt die Versicherung bei einem wirtschaftlichen Totalschaden?

Autowelt - Kfz-Gutachter inspiziert kaputten Frontkotflügel bei einem Unfallwagen – ist das ein wirtschaftlicher Totalschaden?
Autowelt - Rote Klammer: Pro 1.000 Kilometer werden bis zu 1,5 Prozent des Neupreises abgezogen.

Besonders ärgerlich läuft es für Sie, wenn Ihr fabrikneuer Flitzer zum Totalschaden wird. Denn eine gegnerische Haftpflicht zahlt nur den Zeitwert des Wagens, selten den Neuwert. Darunter verstehen Versicherer den Anschaffungswert eines gleichwertigen Fahrzeugs mit gleichem Alter am Schadenstag. Und da der Wertverlust eines Neuwagens bereits mit der Zulassung einsetzt, gibt es nur eine Neupreiserstattung, wenn das Auto höchstens einen Monat jung ist und höchstens 1.000 Kilometer gelaufen ist. Auch Ihre eigene Vollkasko zahlt den Neuwert bloß in dem Rahmen, in dem das vertraglich in Ihrer Kfz-Versicherung vereinbart wurde.

Exkurs: Wann ist ein Neuwagen eigentlich ein Neuwagen?

Um einen Neuwagen handelt es sich dann, wenn die Erstzulassung noch keine vier Wochen her ist. Außerdem sollte die Kilometerleistung zum Unfallzeitpunkt unter 1.000 km liegen. Liegt sie darüber, werden pro gefahrenen tausend Kilometern zwischen 1 und 1,5 Prozent des Neupreises abgezogen.

So setzt sich die Zahlung zusammen

Die Entschädigung setzt sich zusammen aus der Leistung der Versicherung plus dem vom Kfz-Gutachter ermittelten Wert des Unfallwagens.

Wiederbeschaffungswert7.000 Euro
Reparaturkosten (130 Prozent
des Wiederbeschaffungswertes)
9.100 Euro
Restwert3.000 Euro

Die Versicherung muss also insgesamt 12.100 Euro zahlen, nämlich die maximalen Kosten fürs Reparieren (9.100 Euro) sowie den vom Kfz-Gutachter ermittelten Restwert
(3.000 Euro).

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Achtung: Im Kaskofall darf nur die Versicherung den Sachverständigen beauftragen. Dagegen dürfen Sie bei einem Haftpflichtschaden den Sachverständigen frei wählen.

Das zahlt die Versicherung noch

Im Haftpflichtfall haben Sie Anspruch auf einen Ersatzwagen oder auf einen Nutzungsausfall, bei einer Teilkasko oder Vollkasko jedoch nur, soweit das in Ihrer Kfz-Versicherung vereinbart wurde. Für die Beschaffung eines Ersatzfahrzeugs werden in der Regel bis zu 14 Tage als ausreichend angesehen; für diesen Zeitraum wird Ihnen dann ein Mietwagen oder der Nutzungsausfall gezahlt. Außerdem können Sie in der Haftpflicht die Übernahme der angefallenen Ab- und Anmeldekosten verlangen.

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Und was ist ein "unechter" Totalschaden?

Wenn Sie mit Ihrem neuen Wagen in einen Unfall verwickelt werden, den Sie selbst nicht verschuldet haben, können Sie den Anschaffungspreis als Schadensersatz einfordern. Versicherungstechnisch kommt das der Auszahlung bei einem wirtschaftlichen Totalschaden gleich und wird daher als "unechter" Totalschaden bezeichnet.

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Bei einem unechten Totalschaden liegt trotz eines hohen Unfallschadens kein wirtschaftlicher Totalschaden vor, weil die Reparatur geringere Kosten verursacht als die Differenz aus Wiederbeschaffungswert und Schrottwert. Das heißt, die Reparatur des Neuwagens wäre technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll. Gleichzeitig würde das Reparieren eines solchen Pkws einen unzumutbaren Wertverlust bedeuten. Denn ein verunfalltes Neufahrzeug trotz einer sach- und fachgerechten Autobewertung zu einem guten Preis zu verkaufen ist nicht gerade einfach.

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